Wie sinnvoll sind Weinbewertungen?

Zu diesem Thema hat mich ein Artikel im Weinblog vom Weingut Johner im badischen Kaiserstuhl inspiriert. 

[ad#300×250]Der Bericht von Patrick Johner über eine unterirdische Weinbewertung brachten auch meine Gedanken in Schwung. Nun gilt das Weingut Johner aus Bischoffingen im Kaiserstuhl seit gut zwei Jahrzehntern wohl zu den Spitzenweingütern in Baden.  Da verwundert es dann doch das ein Weinverkoster von Wein-Plus einen Blauen Spätburgunder SJ 2001 vom Weingut Johner relativ schlecht bewertet hat. Nun ist es nicht ganz unbekannt das auch Wein bekanntlich oft eine Frage des persönlichen Geschmackes ist. Aber wie kann es sein das ein Fachmann nur 77 Punkte = sehr bescheiden bewertet und eine international erfahrene Jury den selben Wein auf die gleiche Stufe wie die großen Burgunder aus Frankreich stellt?[ad#468]

Weinverkoster sind bekanntlich auch nur Menschen. Bei manchen Weinbewertungen kann ich das Ergebnis bestätigen. Bei anderen Bewertungen komme ich zu einem anderen Ergebnis. Gründe kann es dafür sehr viele geben. Spontan fallen mir da einige ein …

  • Verkoster hat einen schlechten Tag erwischt
  • Verkoster hat nicht den optimalen Sensorikzeitpunkt erwischt
  • Verkoster ist zu gut drauf
  • Der Wein war fehlerhaft
  • Der Wein entspricht nicht dem Geschmack des Verkosters
  • Der Verkoster kann den Winzer nicht leiden?
  • Der Verkoster hat für diese Art oder diesen Ausbau des Weines noch keine oder zu wenig Erfahrungswerte
  • Ungewohntes und Neues wird oft im ersten Moment abgelehnt = schlecht bewertet
  • Nicht die optimale Trinktemperatur
  • Nicht das optimale Weinglas
  • den Wein zu jung verkostet
  • den Wein zu spät (über seinem Zenit = zu alt) verkostet
  • vor der Verkostung etwas geschmacksstörendes gegessen oder getrunken
  • … wem noch weitere Ursachen einfallen, bitte unten kommentieren. Ich werde diese in der Auflistung ergänzen.

Diese Auflistung werde ich bei Hinweisen gerne ergänzen. Sie soll auch aufzeigen welche möglichen Störfaktoren bei einer Bewertung möglich sind. Die spontane Auflistung zeigt schon wie schwer es ist einen Wein halbwegs neutral zu bewerten.

Ist es überhaupt möglich Geschmack auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen? Geschmack in welcher Form ist doch etwas sehr individuelles. So ist es ja auch in der Kunst. Was dem einen gefällt, kann dem anderen mißfallen. So ist es auch meiner Meinung nach teilweise beim Wein. Geschmack ist nicht übertragbar und meist individuel. Geschmack kann sich durch unterschiedliche Ereignise und Utensilien verändern. Geschmack ist also relativ und sehr schwer definierbar. Wieso versucht man dann einen Wein in ein Punktekorsett zu zwängen? Was nützt es mir wenn ein Weinfachmann einem Wein 99 Punkte gibt und ich finde keinen Gefallen an diesem Tropfen?

Wir orientieren uns sehr gerne an einer Skala. Wie soll man Wein bewerten? Schlecht, Ok und gut ist offenbar nicht ausreichend? Die Preisspanne bei einer Flasche Wein geht ja auch von 99 Eurocent bis zu mehreren Tausend Euro. Also muß hier ein Punktesystem her um halbwegs die Preisabstufungen zu einem Punkteschema in einem Verhältnis bringen zu können. Mit einer hohen Punktewertung läßt sich ein teurer Wein wesentlich leichter verkaufen. Und wenn ein Weinguru oder Weinpapst eine sehr hohe Punktezahl vergibt ist der Verkauf zu hohen Preise meist sichergestellt. Ja, man kann sogar die Preise auf Grund der stark erhöhten Nachfrage spürbar erhöhen! Ein herovrragendes Marketinginstrument für den Winzer. Für den Endkunden bedeutet dies allerdings meist eine spürbare Verteuerung seines geliebten Rebensaftes. So gesehen scheint wohl mehr die Weinindustrie der Befürworter von Bewertungssystemen zu sein? So lassen sich ja auch wesentlich leichter hohe Preise argumentieren. Der Wein hat 92 Parker-Punkte ist einprägsamer als ein elder Riesling aus bester Lage, mit hohem Reifepotential …

Auf der anderen Seite wüßte ich nicht wie man für einen Verbraucher eine bessere Transparenz oder Einschätzungsmöglichkeit zur Verfügung stellen könnte? Die meisten Weinkonsumenten kennen sich wohl kaum bis wenig mit Wein aus. Auch ich habe mich in meinen ersten Jahren an Bewertungen von Weinen orientiert. Je nach Quelle kann dies durchaus sinnvoll sein. Aber mit der Zeit gab es da auch einige Reinfälle, wo mir der gekaufte Wein nicht der Bewertung entsprach. Ein anderer negativer Effekt war, das einmal hoch bewertete Weine sich meist innerhalb von kurzer Zeit im Preis mindestens verdoppelt oder sogar vermehrfacht haben! Sorry, warum soll ich für einen Sauvignon blanc aus der Toskana nun 25€ zahlen wenn ich für ihn vor zwei Jahren noch für 5€ bekommen habe? Nur weil Herr Parker dem Rebensaft über 90 Punkte gegeben hat? Nein danke, da verzichte ich gerne und hege weiter meinen Groll auf einige Weingurus.

Daraus habe ich meine Konsequenzen gezogen. Zwar lese auch ich verschiedene Bücher und Weinbewertungen. Ich orientiere mich aber inzwischen wengier daran. Im Gegenteil. Ich lese diese in erster Linie um meine meist davor gemachte persönliche Wertung zu vergleichen. Inzwischen verlasse ich mich nur noch auf meinen Gaumen und den ein oder anderen Fachhändler meines Vertrauens. Wer sich zahlreiche negative Erfahrungen ersparen will, dem kann ich die selbe Vorgehensweise empfehlen. Ruhig mal eine Woche im Lande in einer Weinregion Urlaub machen. Seit der Weltwirtschaftskrise liegt der Urlaub im eigenen Land sowieso wieder voll im Trend! Einfach mal eine Woche an die Mosel, Ahr, Kaiserstuhl oder eine anderen landschaftlich schöne Weinregion fahren. Wer sich vorher über die Weingüter informiert kann vor Ort einige Weine verkosten und so seine Favoriten finden. Das gute bei Weinproben und Direktkäufen ist, das man meist sehr viel Hintergrundinformationen vom Winzer oder Händler erfährt. Die andere Möglichkeit ist der Kauf im Weinfachhandel. Ich habe in den letzten 20 Jahren mehrere Umzüge hinter mir. Aber bei jedem Weinfachhändler in meiner Wohnregion  habe ich nur sehr gute Erfahrungen gemacht. 99% der gekauften Weine fanden meinen Gefallen und haben mich sogar vereinzelt begeistert! Warum soll ich meine Zeit und mein Geld mit schlechtem bzw. mir nicht schmeckenden Wein vergeuden?

Ach ja, Weinbewertungen! Ohne Weinbewertungen ließen sich sicherlich viele Weine kaum oder nur sehr schlecht verkaufen. [ad#300×250 links]Ein gewisse Einstufung bringen Wertungen durchaus für die unerfahrenen Weinkonsumenten. Für Weinsammler sind Wertungen der Grund für einen Kauf. Nur schade das viele Weinsammler ihren Wein oft nur aus Prestige und nicht zum genießen kaufen. Also ganz ohne Bewertungen wird es wohl nicht gehen. Wer wirklich an guten und sehr guten Wein interessiert ist und diesen möglichst zu einem guten Preis- Leistungsverhältnis möchte, wird nicht am eigenen Gaumen (= Probieren) und einem guten Weinfachhändler vorbei kommen.

Über Bernd

Wein ist für mich ein Genussmittel, dass eine enorme Vielfalt an Aromen hervorbringen kann. Wein geniesse ich gerne zu einem sehr guten Essen oder auch Solo.

2 Kommentare zu Wie sinnvoll sind Weinbewertungen?

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  2. Angelika schrieb:

    Weinbewertungen sind wirklich sehr zwiespältig. Ohne wäre die Weinwelt aber sicherlich um einen Diskussionspunkt ärmer. Mir mißfällt lediglich an guten Weinwertungen, das kurz danach meist die Wein schnell ausverkauft sind. Dies ist besonders ärgerlich wenn es sich um einen favorisierten Tropfen handelt.

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