Wein Bewertungen

Wein Bewertungen. Was meine ich damit? Wozu einen Wein bewerten? Betrachten wir das Thema einmal von zwei Seiten. Da ist der Verkäufer von Wein. Ein Winzer oder Weinhändler. Er hat zwei Möglichkeiten einen Wein für den möglichen Käufer schmackhaft zu machen. Für den Kunden die sicherste Methode ist vermutlich eine Weinprobe. Den Wein vor dem Kauf probieren. Viele Weingüter haben dafür Probenräume im Weingut eingerichtet. Wer ganz sicher gehen will, nutzt diese Möglichkeit.

Wie soll da ein Versandhändler seinen Wein verkaufen? Entweder er hat selbst ein sehr gutes Renomme, daß der Käufer ihm vertraut. Schließlich ist die Aufgabe des Handels, von der angebotenen Vielfalt, die besten Weine auszuwählen. Das mag den Geschmack des Händlers treffen. Aber habe ich einen vergleichbaren Geschmack? Zudem glaubt man unterschwellig, daß der Händler keinen seiner Weine negativ beurteilen würde, da er sie ja verkaufen möchte. Also ist jeder Händler irgendwie befangen? Das muß nicht sein. Aber mit Sicherheit wird kein Händler ein Produkt anbieten, daß er nicht selbst lecker findet.

Weingenuß
Weingenuß

Wenn der Wein aber von einem unabhängigen Experten bewertet wurde, schenken dieser Einschätzung plötzlich viele Menschen mehr Vertrauen. Obwohl viele gar nicht wissen, ob der Experte einen vergleichbaren Geschmack wie man selbst hat. Unter den Weinexperten sind solche Weinbewertungen sehr umstritten. Sie zeigen lediglich die Wertung einer Person. Achtung, Menschen haben unterschiedlichen Geschmack!

Wein Bewertungen – Historie

Ehrlich gesagt erbrachte meine Recherche keine eindeutigen Hinweise, wann wer und zu welchen Zweck mit Weinbewertungen begonnen hat. Je nach Zweck und Verkoster gibt es verschiedene Bewertungsmethoden.

5-Punkte Bewertung

Dieses Bewertungssystem wird von der DLG zur Ermittlung der besten Weine angewendet. Auch die Bundeswein-Prämierungen erfolgt mit diesem Bewertungssystem. Kriterien sind der Geruch, Geschmack und die Harmonie.

  • 5 = ausgezeichnet
  • 4 = sehr gut
  • 3 = gut
  • 2 = befriedigend
  • 1 = fehlerhaft
  • 0 = stark fehlerhaft

20-Punkte Bewertung

In Europa ein weit verbreitetes Bewertungssystem, da es feiner differenziert als die 5-Punkte Wertung. Ich nutze das System bis heute für meine persönlichen Beurteilungen von Weinen. Warum? Weil es in meinen Weinanfängen das einzig mir bekannte Bewertungssystem war. Zudem macht eine Änderung des Bewertungssystemes einen Vergleich zunichte. Das 20-Punkte System wird auch heute noch von vielen europäischen Experten, wie Rene Gabriel, Jancis Robinson, Gault Millau und Vinaria, verwendet.

Im Optimalfall sind hier 20 Punkte für einen großartigen Wein möglich. Diese ergeben sich aus Farbe bis zu 2 Punkte, Klarheit + Reinheit bis zu 2 Punkte, Geruch bis zu 4 Punkte, Geschmack bis zu 7 Punkte und Harmonie bis zu 5 Punkte. An Hand der Gesamtpunktezahl kann man die Wein wie folgt einschätzen:

  • bis zu 12 Punkte sind die Weine nicht zufriedenstellend
  • 13 bis 14 Punkte sind gute Weine
  • 15 bis 16 Punkte sind sehr gute Weine
  • 17 Punkte sind hervorragende Weine
  • ab 18 Punkten und höher spricht man von Spitzenweinen

Bei mir persönlich empfinde ich bei Weinen bis 14 Punkten meist keinen Genuß. Ab 15 Punkten aufwärts wird mein persönliches Genusßempfinden angesprochen. Aber das ist meine Art der Einschätzung. Und diese basiert auf meinen persönlichen Wertungen.

Parker Punkte oder 100 Punkte Bewertung

Robert Parker ist ein Weinkritiker aus den USA. 1975 brachte er seinen ersten Weinführer für den Verbraucher heraus. Die Weine bewertet er nach dem amerikanischen Schulnotensystem. Bewertungen sind zwischen 50 bis 100 Punkte möglich. Robert Parker teilt die Bewertung wie folgt ein:

  • 96 – 100 Punkte ist der Wein außerordentlich
  • 90 – 95 Punkte ist der Wein hervorragend
  • 80 – 89 Punkte ist der Wein überdurchschnittlich
  • 70 – 79 Punkte ist der Wein durchschnittlich
  • 60 – 69 Punkte ist der Wein unterdurchschnittlich
  • 50 – 59 Punkte ist der Wein unakzeptabel

Inzwischen nutzen auch andere Wein-Experten das 100 Punkte Bewertungssystem. Durch die höhere Punktezahl soll eine feinere Differenzierung bei den Weinbewertungen möglich sein. Wer die Bewertungen eines Weines verschiedener Verkoster vergleicht, wird schnell feststellen, daß ein Wein sehr oft unterschiedlich bewertet wird.

Die Parker Punkte sind für den Weinhandel Fluch und Segen. In erster Linie waren diese Bewertungen als einfache Orientierung für den Verbraucher gedacht. Im Prinzip funtkioniert das auch sehr gut. Allerdings auch mit allen negativen Begleiterscheinungen. Wenn Parker einen Wein mit über 90 Punkten bewertet, steigen die Preise für diesen Wein meist spürbar. Ich habe das schon bei mehreren Weinen erlebt. Hierzu ein persönliches Beispiel:

An einem Hochzeitstag haben wir in einem Sternerestaurant von der Sommeliere uns begleitende Weine zu den einzelnen Gängen empfehlen lassen. Zum Fisch gab es einen Sauvignon blanc aus der Toskana. Poccio alle Gazze 19990. Der Wein hat mich damals begeistert. Ich habe mir das Weinetikett ablösen und mitgeben lassen. Zu Hause habe ich nach einer Bezugsquelle gesucht. Beim Weinhandel Alpina wurde ich fündig. Er war damals der Importeur des Weines. 9,95 DM für eine 0,75 l Flasche erschien mir ein Preisschäppchen! Meine persönliche Wertung lag zwischen 18,5 bis 19,5 Punkten. 6 Flaschen hatte ich vom 1992er bestellt. Alle waren sehr lecker. Auch den Folgejahrgang habe ich für 8,90 DM die Flasche gekauft. Auch der 93er war auf vergleichbar hohen Niveau. Und dann kam Parker und bewertete den Wein mit 93 Punkten. Danach kostete eine Flasche weit über 30 DM! Heute 2021 wird der aktuelle Jahrgang für knapp 50 Euro verkauft. Gut für das Weingut. Schlecht für den Verbraucher, welcher gerne sehr guten Wein zu einem fairen Preis geniessen mag.

Robert Parker hat ursprünglich nur die klassischen Franzosen verkostet und bewertet. Bordeaux, Burgund und Chateauneuf-du-Pape. Später kamen noch weitere Regionen aus Frankreich dazu. Andere Weinländer in Europa hat er lange links liegen lassen oder seltsame Beurteilung darüber abgegeben. Inzwischen werden diese auch bewertet. Allerdings hat er dafür meist regionelle Experten engagiert. Von einigen europäischen Weinexperten und Weingütern werden die Parker-Beurteilungen seit Jahrzehnten kritisiert. Zu sehr fließt der US-Geschmack in die Wertung ein. Kräftige, schwere und fruchtbetonte Weine sind meist die Favoriten. Filigran ausgebaute Weine, wie sie in den großen Weinanbaugebieten durchaus traditionell sind, werden meist weniger gut eingeschätzt.

Inzwischen haben die Parker Bewertungen starken Einfluß auf Angebot und Nachfrage eines Weines. Dadurch logischerweise auch auf die Preisentwicklung. Aber wie soll man einen Wein einschätzen den man nicht probieren kann? Da geht es nur mit einem Vergleichssystem. Im Prinzip ist Robert Parker der Vorreiter der heutigen Bewertungssysteme gewesen. Viele Experten haben sein 100 Punkte-System übernommen. Es hat sich etabliert. Es dient dem Verbraucher als möglicher Vergleich.

Wein Bewertungen – Sonstige

Die bisher genannten Bewertungssysteme sind die drei am häufigsten im deutschen Sprachraum. Darüber hinaus gibt es noch weitere Varianten. Der Gambero Rosso bewertet die italienischen Weine mit bis zu drei Gläser. Drei Gläser bekommen die besten italienischen Weine. Andere Verkoster und Experten vergeben bis zu fünf Sterne für die besten Weine.

Wein Bewertungen – Vor- und Nachteile

Bereits bei den verschiedenen Wein-Bewertungs-Systemen habe ich manche Vor- und Nachteile genannt. Kein Bewertungssystem ist perfekt. Jede Bewertung ist die Wiedergabe eines persönlichen Geschmackes. Geschmack kann unterschiedlich sein. Regionell und kulturell wird Geschmack oft unterschiedlich interpretiert. So gesehen, ist es fast unmöglich eine allgemein gültige Bewertung umzusetzen. Robert Parker versucht dem gerecht zu werden, in dem er Verkoster aus bestimmten Weinregionen einsetzt. Das sind aber auch nur Menschen. Geschmack ist beim Menschen die Summe seiner Erfahrungen und Erlebnisse. Die meisten Verkoster sind trainiert. Sie werden schematisch auf das Verkosten geschult und üben das Verkosten und das Beschreiben von Aroma, Geschmack und die mögliche zukünftige Entwicklung eines Weines. Der Geschmack einer Weinbewertung muß nicht deinem Geschmack entsprechen.

Ich gebe zu, daß ich Bewertungen auch als Orientierung nutze. Am Ende verlasse ich mich dann aber doch auf die Empfehlung eines Weinhändlers meines Vertrauens oder meinen eigenen Gaumen. Seltene und teure Weine bekommt man leider seltenst zur Verkostung. Bei solchen Raritäten muß man sich auf Bewertungen oder Empfehlungen verlassen.

Für den Verbraucher sind Wein-Bewertungen durchaus eine Möglichkeit die Wein-Qualität einzuschätzen. Zumindest erfahrene Wein-Genießer können damit durchaus ihrem Geschmack entsprechende gute bis hervorragende Weine auswählen. Das Weine mit hohen Bewertungen über kurz oder lange teurer verkauft werden, ist eine normale Begleiterscheinung. Aus Verbrauchersicht ist das schade. Aus Sicht des Herstellers erfreulich, da es die Qualität seiner Arbeit ehrt und er einen höheren Ertrag erzielen kann. Im Prinzip lässt sich der Wein zu einem marktgerechteren Preis verkaufen.

Für den Verbraucher sind Wein-Bewertungen auf den ersten Blick eine Vergleichsmöglichkeit. Die wenigsten Verbraucher können solche Bewertungen aber nicht mit ihrem persönlichen Geschmack in Zusammenhang bringen. So kommt es auch zu Fehlkäufen und im schlimmsten Fällen zur falschen Erkenntnis, daß Wein nicht schmeckt. Das passiert oft unerfahrenen Weinkonsumenten, wenn sie sich blind auf hohe Parker-Wertungen verlassen. Manch großer Wein muß erst noch reifen. Zu früh geöffnet, schmeckt der Wein-Neuling einen recht unharmonisch wirkenden Wein. Warum? Weil das Wissen über den Reifezeitpunkt mißachtet wurde? Weil man in zu kühl oder zu warm trinkt. Weil er vielleicht ein paar Stunden vorher dekantiert werden sollte? Es gibt bei Wein-Einsteigern viele Fallstricke, welche den Genuß reduzieren können.

Wein-Bewertung können für eine grobe Einschätzung hilfreich sein. Final sollte man sich besser auf den eigenen Gaumen oder die Expertise eines Händlers seines Vertrauens verlassen. Ich kaufe lieber öfter bei einem oder nur wenigen Fachhändlern. Logischerweise bei solchen, die meinen Geschmack kennen und treffen. Dort kann ich auch blind einen Wein kaufen.

Wein Bewertungen – die persönliche Bewertung

Die ganze Zeit schreibe ich über die Bewertungsmethoden von Experten. Jedem der sich für Wein interessiert, kann ich nur empfehlen seine Verskostungen zu notieren. Ich mache das seit gut 30 Jahren. Wie man das macht spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, daß man sich für ein Bewertungssystem entscheidet. Nur so kann man zuverlässig auch noch nach Jahren und Jahrzehnten Weine vergleichen. Ich bewerte nach dem 20-Punkte-Schema. Wenn ich heute mit Weingenuss beginnen würde, würde ich vermutlich eher das 100 Punkte System von Parker nehmen. Damit sind feinere Abgrenzungen möglich.

  • Bewerte deine Weine nach 20-Punkte oder Parker-Punkten
  • Schreibe deine Verkostungen auf. Farbe, Aroma, Geschmack, Abgang und Gesamteindruck.

Wie notiert man seine Verkostungseindrücke? Da ist alles erlaubt was dir gefällt. Du kannst es in ein Tablet tippen. Du kannst es in ein Weinbuch schreiben. Du kannst es auf einen Schmierzettel schreiben. Du kannst es in eine Datenbank tippen. Den Weg mußt du selbst bestimmen.

Ich schreibe meine Verkostungen auf Papier. Von dort übertrage ich es in eine Datenbank auf meinem PC. Anschließend leite ich davon meine Verkostungseindrücke für den Weinblog hier ab. Manche Menschen mögen solch Menschen für einen als Nerd, Spinner oder Freak halten. Ich bin gerne ein Wein-Freak.

Wie verwalte ich meine Verkostungen auf dem Computer? Früher in Access aus dem Office-Paket. Irgendwann war mir der hohe Aufpreis für Access zu teuer. Nachdem ich von Access die Daten in Excel importiert hatte, musste ich die Listen dort erst neu formattieren. Excel ist von den Funktionalitäten keine Datenbank. Vieles habe ich vermisst. Manche Daten wurden beim Import verschoben. Die Folge waren zeitaufwändige Korrekturen. Excel hat mir keine Freude gemacht. Access war mir zu teuer geworden. Also habe ich nach alternativen Datenbanksystemen gesucht. Mit DatuBix habe ich eine für mich passende Software gefunden. DatuBix ist im Grundcharakter ähnlich wie Access aber stark vereinfacht. Eine Testversion kann man 30 Tage gratis testen. Das habe ich gemacht und die Vollversion für 17,95 Euro erworben.

DatuBix - Weindatenbank
DatuBix – Weindatenbank

In der Testphase konnte ich das Programm auf seine Möglichkeiten prüfen. Nicht alles ist umsetzbar. Für meine Zwecke ist es genau richtig. Ich kann chronologisch Eingabefelder eingeben und befüllen. Man kann Bilddateien dem Datensatz zuordnen. Man kann Filter erstellen. Mein wichtigster Filter ist das Lager. Da werden nur die Bestände angezeigt. Man kann nach verschiedenen Kriterien sortieren. So sind bestimmte Weine schnell auffindbar. Man kann den Weinbestand oder andere Listenvarianten ausdrucken.

Wer zu den Haptikern gehört, wird lieber in einem Buch nachschlagen wollen. Im Handel gibt es dafür Bücher für Verkostungen. Vom einfachen Einband bis zur robusten Bindung mit Stoff oder edelsten Ledereinband. Wenn man mal über ein Jahrzehnt Wein verkostet hat, wird es allerdings mit dem auffinden bestimmter Informationen schwieriger als in einer Datenbank. Aber ich halte keinen davon ab beide Systeme zu nutzen.

Wein Bewertungen – Mein Fazit

Weinbewertungen sind eine sehr hilfreiche Orientierungshilfe. Dennoch sollte man sich nicht blind darauf verlassen. Am besten den Wein selbst verkosten. Nur so kann man 100%ig feststellen ob der Wein deinen Geschmack trifft. Ich weiß, daß man nicht jeden Wein verkosten kann. In solchen Fällen suche dir einen Weinhändler. Deinen Weinhändler deines Vertrauens. Suche einen Weinhändler der Weine für deinen Geschmack hat oder weiß was dir schmeckt.

Notiere dir deine Verkostungseindrücke. Diese dienen als sehr gute Grundlage für zukünftige Einkäufe. Du wirst bei jedem neu verkosteten Wein dein Wissen und deine Erfahrung erweitern. Du wirst Weine besser einschätzen können. Du wirst lernen wann und in welcher Art ein Wein am meisten Genuß bringen wird. Ein Weinbuch ist die Grundlage für dein gesammeltes Weinwissen.

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