Wein Qualitätsstufen

In vielen Ländern wo Wein produziert wird, gibt es für den Wein Qualitätsstufen. Mit diesen einleitenden Satz wird schon klar, daß die Qualität von Wein auch unterschiedlich definiert und interpretiert wird und werden kann. Unabhängig von den verschiedenen Qualitätsstufen, ist das nicht immer ein eindeutiges Indiz für einen hervorragenden oder weniger guten Wein. Unabhängig davon betrachten wir die Qualtiätsstufen einmal nach Ländern.

Wein Qualitätsstufen in Deutschland

Die Qualitätsstufen in Deutschland wurden 2009 durch die EU-Weinrechtsänderung modifiziert.

Deutscher Wein wurde vor 2009 Tafelwein genannt. Er stammt zu 100% aus in Deutschland zugelassenen Rebflächen und Rebsorten. Als Mindestalkohol sind 8,5% vorgeschrieben. Eine Anreicherung ist erlaubt.

Deutscher Landwein darf sich nennen, wenn der Wein aus den 26 geografisch dafür festgelegten Gebieten in Deutschland stammt. 85% der Trauben müssen aus der angegeben Region stammen. Eine Anreicherung ist nicht zugelassen. Der Wein darf trocken oder halbtrocken sein.

Qualitätswein muß zu 100% aus einem der 13 Weinbaugebiete stammen. Es ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Die Weine müssen eine analytische und sensorische Prüfung bestehen.

Bis zum Qualitätswein darf der Most vor der Gärung mit Zucker oder gesüßtem Most angereichert werden. Auch Chaptalisierung genannt. Dies kann erforderlich sein, wenn die Trauben ein zu geringes Mostgewicht ergeben. Vor 2009 mussten solche Weine als Tafelwein deklariert werden, obwohl es manchmal die Top-Weine eines Weingutes waren.

Prädikatsweine sind Qualitätsweine mit höherer Qualitätsstufe. Mit der Höhe des Mostgewichtes sind höhere Prädikate möglich.

  • Qualitätswein mit 55 – 72° Oechsle
  • Kabinett mit 70 – 82° Oechsle
  • Spätlese mit 76 – 90! Oechsle
  • Auslese mit 93 – 100° Oechsle
  • Beerenauslese mit 110 – 128° Oechsle
  • Trockenbeerenauslese mit 150 – 15° Oechsle
  • Eiswein mit 110 – 128° Oechsle

Je später man die Trauben liest, desto mehr Oechsle = Zucker beinhalten diese. Ab der Beerenauslese aufwärts kann der Zucker nicht vollständig vergoren werden. In dem Bereich sind häufig süße Weine üblich. Dieses veraltete deutsche Prädikatssystem ist auch hierzulande umstritten. Im Prinzip ist es immer noch veraltet. Ich habe schon Beerenauslesen im Glas gehabt, die waren ihr Geld nicht wert. Wenn ein Wein nur noch nach Zucker schmeckt, hat das nicht viel mit Weingenuss zu tun. Dennoch gibt es auch viele großartige Beerenauslesen mit enormer Komplexität im Aroma und Geschmack.

Die Angabe der Geschmacksrichtung ist bei deutschen Wein auch eine veraltete und für mich seltsame Angelegenheit. Ich glaube in keinem anderen Weinland gibt es solch eine Angabe auf dem Etikett? Wobei inzwischen kaum noch Winzer einen durchgegorenen Wein als trocken bezeichnen. Trocken ist wenig verkaufsfördernd. Und im Prinzip auch falsch oder kann zumindest vom Laien falsch interpretiert werden. Es gibt durchaus einige durchgegorene Weine, die sehr fruchtig schmecken. Aber wir Deutschen müssen wohl alles irgendwie reglementieren. So auch die Geschmacksrichtung beim Wein:

  • Trocken – sind Weine mit einem Restzuckergehalt zwischen 4 – 9 g/l. Wieviel ist von der Säure g/l abhängig
  • Halbrocken – sind Weine mit einem Restzuckergehalt zwischen 12 – 18 g/l. Auch in Abhängigkeit von der Säure g/l.
  • Lieblich – sind Weine die süßer als Halbtrocken sind und bis zu 45 g/l Restzucker beinhalten.
  • Süß – sind alle Weine die mindestens 45 g/l Restzucker beinhalten
  • Feinherb – dafür gibt es keine Definition im Weingesetz. Dies wurde vom Weingut Reichsgraf von Kesselstatt vor Gericht als weitere Differenzierung von Weinen Halbtrocken mit blumigen Charakter erstritten. Der Gesetzgeber duldet seitdem diese Angabe.

VDP Klassifikation

Aber das ist noch nicht alles an Qualitätsangaben auf den Weinetiketten. Der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter e.V. existiert seit über 100 Jahren. Derzeit hat er etwa 200 Mitglieder. 2012 wurde vom VDP eine neue Klassifizierung eingeführt. Im Prinzip ist hier der Grundgedanke aus Frankreich abgeleitet worden. Die Region und die Einzellagen stehen im Mittelpunkt. Unabhängig vom Oechsle-Gehalt sollen die Weine möglichst durchgegoren ausgebaut werden. Dennoch sind auch Weine mit Fruchtsüße möglich. Diese werden auf dem Etikett mit der Prädikatsstufe kenntlich gemacht.

Wein Qualitätsstufen nach VDP Klassifizierung
Wein Qualitätsstufen nach VDP Klassifizierung
  • VDP Gutswein kommt aus den gutseigenen Lagen.
  • VDP Ortswein aus Gebietstypischen Traubensorten aus einer Gemeinde mit maximaler Ertragsmenge von 75 hl/ha.
  • VDP Erste Lage beinhaltet eine für die Lage typische Rebsorte aus einer klassifizierten Lage. Die Reben müssen von Hand gelesen und selektiert worden sein. Mindestmostgewicht von einer Spätlese oder höher. Maximaler Ertrag 60 hl/ha. Die Weine dürfen erst nach der Weinbörse im April des Folgejahres vermarktet werden.
  • VDP Grosse Lage ist den besten deutschen Weinbergen vorbehalten. Maximale Erntemenge für regional zugelassene Rebsorten sind 50 hl/ha. Die Lese erfolgt von Hand und der Wein muß mindesten das Prädikat einer Spätlses haben. Rotweine müssen mindestens 12 Monate im Holzfass gereift sein. Die Weine dürfen ab 1. September des Folgejahres in Verkauf gebracht werden. Die Weine werden vor und nach der Abfüllung durch eine Kommission geprüft und bestätigt. Grosse Lage wird auch Großes Gewächs genannt.

Ein VDP-Wein hat eine Flaschenkapsel mit dem Zeichen des Traubenadlers und einem darunter umlaufenden Band. Auf dem Band wird angegeben ob es ein Gutswein, Ortswein, Erste Lage oder Grosse Lage ist.

Wein Qualitätsstufen in Frankreich

Auch in Frankreich wurden durch die EU-Vereinheitlichung 2009 die Weinqualitäten neu aufgegliedert. Wobei es hauptsächlich Wortkosmetik ist. Vereinzelt wurde das Qualitätssystem verfeinert. In Frankreich werden die Weine in zwei Hauptkategorien eingeteilt. Eimal mit und einmal ohne Herkunftsangabe.

Mit Herkunftsangabe werden eingeteilt in:

  • Appellation d’Origine Protégée (AOP) sind Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Die frühere Bezeichnung dafür war AOC = Appellation d’Origine Controlée.
  • Indication Géographique Protégée (IGP) sind Weine mit geschützter geografischer Angabe. Die frühere Bezeichnung war dafür Vin de Pays bzw. Landwein. Vorgaben durch eine EU-Regelwerk muß erfüllt werden.

Ohne Herkunftsangabe ist

  • Vin de France welcher früher Vin de Table bzw. Tafelwein genannt wurde. Einfache Weine, oft Cuveés aus mehreren Rebsorten oder aus verschiedenen Weinregionen.

In Frankreich wird die Weinqualität in drei Stufen eingestellt. Vin de France ist die unterste Qualitätsstufe. Darüber ist die IGP und die oberste Qualitätsstufe wird mit AOP klassifiziert. Bei der AOP gibt es eine ähnliche Qualtitätsabstufung wie bei der deutschen VDP Klassifizierung:

  • AOP Cru kommt der Wein aus einem Weingut, einer Lage oder Parzelle.
  • AOP Kommunal kommt der Wein aus einem Ort.
  • AOP Regional kommt der Wein aus einer Weinregion.

Bei der AOP werden bestimmte Vorgaben an das Terroir, Pflanzendichte und den maximalen Ertrag gemacht. Diese wird zudem streng von einer Kontrollorganisation geprüft. Die Vorgaben sind die Basis für sehr hochwertige Weine.

Wein Qualitätsstufen in Italien

Auf den ersten Blick scheint sich bei den italienischen Qualitätsstufen für Wein nicht viel verändert zu haben? Dennoch wurde auf Grund der EU- Vorgabe von 2009 bereits 2010 ein verfeinertes Weingesetz verabschiedet. Im neuen Weingesetz wurden sowohl die EU-Vorgaben als auch die heimischen Vorgaben auf einen zeitgemässeren Stand gebracht. Für Wein gibt es 4 Qualitätseinstufungen.

Vino werden einfache Weine mit oder ohne Angabe von Rebsorte und Jahrgang aus Italien bezeichnet. Früher wurden solche Weine als Vino da Tavola bzw. Tafelwein bezeichnet.

IGP / IGT Indicazione Geografica Protetta / Indicazione Geografica Tipica ist die Bezeichnung für Landwein mit Angabe vom Anbaugiet und der Rebsorte. Die Ertragsmenge und das Mindestmostgewicht werden vorgeschrieben. Die Weine müssen chemisch-physikalisch geprüft.

DOP Denominazione di Origine Protetta werden alle Qualitätsweine mit kontrollierter Ursrpungsbezeichnung bezeichnet.

DOC Denominazione di Origine Controllata sind Qualitätsweine aus einer Weinregion mit dort zugelassenen Rebsorten. Die maximale Ertragsmenge und Verarbeitung im Weinkeller werden vorgeschrieben. Die Weine wurden alanylitsch und sensorisch geprüft.

DOCG Denominazione di Origine Controllata e Garantita ist die höchste Qualitätsstufe. Nur die besten Weine erhalten diese Qualitätseinstufung. Die Weine und das Weingut müssen mindestens 10 Jahren einen DOC Status nachweisen können. Erst danach kann die DOCG beantragt werden.

Fazit Wein Qualitätsstufen

Was sind der Sinn und Zweck von Wein Qualitätsstufen? Zum einen soll sichergestellt werden, daß der Verbraucher einen sauber gemachten Wein bekommt. Zum anderen soll für den Verbraucher die Verarbeitungsqualität transparenter und nachvollziehbarer sein.

Unabhängig davon ist es nicht immer ein Indiz für die Qualität des Weines. Dieser wird in erster Linie durch den Winzer gemacht. Der Winzer ist wie ein Dirgent in einem Orchester. Wenn der Winzer zur richtigen Zeit die richtigen Massnahmen umsetzt, entsteht ein toller Wein. Wenn er Fehler macht, wird er einen weniger guten Wein vermarkten dürfen. Obwohl in beiden Fällen die Qualitätsstufen eingehalten wurden. Die Qualität eines Weines entsteht im Weinberg. Im Weinkeller versucht man diese Qualität in die Flasche zu bekommen.

2009 wurden in der EU die Eckdaten für Wein Qualitäten definiert. Alle EU-Länder haben inzwischen ihre Weingesetze nach den EU-Rahmenbedingungen angepasst. Die meisten traditionellen Weinländer haben darüber hinaus historisch gewachsene Verfeinerungen ergänzt. Zum Teil gab es diese bereits. Zum Teil wurden diese erweitert.

Weingesetze schützen in erster Linie den Verbraucher. Man denke da nur an den Weinskandal in den 90er Jahren. Genau solche gesundheitsschädlichen Panschereien sollen dadurch unterbunden werden. Auf der anderen Seite werden die Winzer in ein enges Korsett von Vorgaben gezwängt. Neue Rebsorten müssen für eine Weinregion erst im Weingesetz zugelassen werden. Sonst darf man sie in Deutschland nicht als Qualitätswein anbieten. Gut, es gibt da Umwege. In solchen Fällen kann man den Wein aus einem Versuchsweinberg vermarkten. Weinkenner werden solche Weine interessant finden. Otto-Normalverbraucher wird da meist skeptisch reagieren?

In der Weinwelt gibt es reichlich Beispiele wo großartige Weine nicht in die Vorgaben solcher Qualitätsstufen passen. Das Weingut Karl Johner am Kaiserstuhl hat als einer der ersten Weingüter die besten Weine in Barrique-Fässern reifen lassen. Damals war das in der Region nicht als Qualitätswein vorgesehen. Die Weine mussten als Tafelwein deklariert werden. Obwohl die weißen und roten Burgunder durchaus mit den besten aus dem Burgund mithalten konnten. Viele Supertoscaner sind keine DOCG Weine, da die Rebsorten-Cuveé aus verschiedenen Weinbergen stammen oder manche Rebsorten so nicht als DOCG Wein zugelassen sind. Dennoch zahlen Weinliebhaber bis über 100 Euro für solch einen Wein. Solche Beispiel könnte man viele aufzählen. Sie untermauern lediglich, daß ein Weingesetz und deren Qualitätsstufen nicht für die Weinqualität verantwortlich sein müssen. Einzig und allein ist die Qualität vom Winzer und seinem Wissen und Können abhängig.

Qualitätsstufen geben eine grobe Vorgabe und auch Grundlage für einen qualitätsorientierten Weinbau. Am Ende entscheidet aber der Winzer welche Qualität am Ende in die Flasche kommt. Dennoch sind Qualitätsstufen für den Verbraucher mögliche Orienterungshilfen. Ein deutscher Wein aus Erster Lage ist in den meisten Fällen bereits ein sehr guter und manchmal sogar herovrragender Wein. Die Vorgaben zwingen den Winzer im Weinberg und Weinkeller dazu. Unabhängig davon gibt es auch hervorragende Weine, welche in keine Qualitätsstufe passen.

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