Über den Trollinger wird im Ländle viel gelacht. Blasser Rotwein. Viertele im Besen. Ein Wein für Leute die keinen Wein mögen. Ich habe diese Sprüche selbst oft genug gehört. Ich habe sie früher sogar mitgemacht. Heute sehe ich das anders. Nicht weil der Trollinger plötzlich ein großer Wein geworden wäre. Sondern weil ich verstanden habe was er eigentlich ist. Er ist kein missglückter Rotwein. Er ist ein eigener Weintyp. Leicht und hell und mit viel Säure. Man muss ihn nur richtig behandeln.
Und man sollte sich beeilen. Denn der Trollinger verschwindet gerade aus den Weinbergen. Im Jahr 2025 verlor er in Württemberg 8,3 Prozent seiner Fläche. Damit ist er erstmals nicht mehr die flächenstärkste rote Rebsorte im Anbaugebiet. Der Lemberger hat ihn überholt. In diesem Artikel bekommst du alles zur Rebsorte Trollinger. Woher sie kommt. Wie sie schmeckt. Warum sie in Südtirol anders heißt. Was dazu passt. Und warum die Zukunft dieser Rebsorte gerade auf der Kippe steht.

Inhaltsverzeichnis
Was ist Trollinger?
Trollinger ist eine rote Rebsorte. Sie ergibt sehr helle Rotweine mit wenig Tannin und einer für Rotwein ungewöhnlich hohen Säure. Die Farbe liegt oft zwischen Ziegelrot und Hellrubin. Manche Gläser sehen fast wie ein kräftiger Rosé aus.
Die Rebe ist sehr wuchsstark und sehr ertragreich. Hundert Hektoliter pro Hektar sind keine Seltenheit. Das ist mehr als das Doppelte dessen was ein Qualitätswinzer bei einem Lagenwein anpeilt. Genau darin liegt ein Großteil des Problems. Aber dazu später mehr. In Württemberg ist der Trollinger Kulturgut. Er wird dort seit Jahrhunderten angebaut und meistens auch dort getrunken. Außerhalb des Ländles kennt ihn kaum jemand.
Trollinger Vernatsch Schiava und Black Hamburg
Diese Rebsorte hat mehr Namen als jede andere die ich kenne.
| Region | Name |
|---|---|
| Württemberg | Trollinger oder Blauer Trollinger |
| Südtirol | Vernatsch oder Großvernatsch |
| Italienisch | Schiava Grossa |
| Als Tafeltraube weltweit | Black Hamburg |
Es ist überall dieselbe Rebsorte. Nur der Stil im Glas ist verschieden.
Der Südtiroler Vernatsch wirkt meist etwas runder und milder. Der Württemberger Trollinger hat mehr Säure und mehr Kante. Das liegt am Klima und an der Ausbautradition.
Der Name Black Hamburg hat übrigens nichts mit Wein zu tun. Unter dieser Bezeichnung ging die Traube im 18. Jahrhundert über den Hamburger Hafen nach England. Dort wuchs sie in Gewächshäusern als Tafeltraube. Wenn du also schon einmal große blauschwarze Tafeltrauben gegessen hast dann warst du dem Trollinger vielleicht schon näher als gedacht.
Herkunft und Geschichte
Der Name Trollinger stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von Tirolinger ab. Er ist in Württemberger Zollordnungen seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Die eigentliche Heimat liegt vermutlich im Etschtal in Südtirol. Genetische Untersuchungen deuten allerdings noch weiter zurück. Der Ursprung der ganzen Vernatschfamilie wird in Ostmitteleuropa oder auf dem Balkan vermutet. Ganz sicher weiß das bis heute niemand.
Nach Württemberg kam die Sorte spätestens im 16. oder 17. Jahrhundert in größeren Mengen. Manche Quellen behaupten die Römer hätten sie schon an den Neckar gebracht. Diese Geschichte ist hübsch. Belegt ist sie nicht. Sicher ist der weitere Verlauf. Von 1960 bis Mitte der neunziger Jahre wuchs die deutsche Trollingerfläche um rund tausend Hektar. Im Jahr 2000 standen in Württemberg noch 2.582 Hektar. Seitdem geht es nur noch bergab. Im Jahr 2025 waren es 1.614 Hektar. Das ist ein Rückgang von rund 37 Prozent in einem Vierteljahrhundert.
Wie schmeckt Trollinger?
Meine Kurzantwort lautet so. Trollinger schmeckt nach roten Beeren mit viel Frische und wenig Gewicht. Wer einen kräftigen Rotwein erwartet wird enttäuscht. Wer einen leichten und saftigen Speisebegleiter sucht liegt richtig.
Typische Aromen
Im Glas riechst du helle rote Frucht. Erdbeere steht meistens vorne. Dahinter kommen Himbeere und Sauerkirsche. Bei guten Weinen findest du eine feine Veilchennote. Die ist für mich das Erkennungsmerkmal eines gelungenen Trollingers. Manche Weine zeigen einen Hauch Bittermandel im Abgang. Das kommt von der dünnen Beerenschale. Es ist kein Fehler. Es gehört zur Sorte. Was du bei einem Trollinger nicht findest sind dunkle Aromen. Keine Brombeere. Kein Kakao. Keine schwere Würze. Wenn dein Glas nach Marmelade und Vanille riecht dann steckt entweder viel neues Holz dahinter oder es ist gar kein Trollinger.
Säure Farbe und Tannin
Hier wird es interessant. Der Trollinger hat für einen Rotwein eine sehr hohe Säure. Werte zwischen sieben und zehn Gramm pro Liter sind typisch. Zum Vergleich. Ein Lemberger liegt oft bei sechs Gramm. Ein warm ausgebauter Spätburgunder auch darunter. Diese Säure ist der eigentliche Charakter der Sorte. Sie macht den Wein frisch und trinkanimierend. Sie ist auch der Grund warum viele Genossenschaftsweine früher mit Restsüße ausgeglichen wurden. Man wollte die Säure abpuffern.
Das Tannin ist dagegen sehr niedrig. Die Beerenschale ist dünn. Daraus kommt wenig Farbe und wenig Gerbstoff. Deshalb ist der Wein so hell. Das Mostgewicht liegt im Mittel bei rund siebzig Grad Oechsle. Daraus entstehen Weine mit meist elf bis zwölf Volumenprozent Alkohol. In einer Zeit in der viele Leute weniger Alkohol trinken wollen ist das eigentlich ein Vorteil. Nur hat das bisher kaum jemand als Verkaufsargument genutzt.
Vom Viertele bis zu den Alten Reben
Die Bandbreite ist kleiner als beim Lemberger. Es gibt sie aber.
Der Literwein und das Viertele im Besen. Drei bis sechs Euro. Meist halbtrocken oder mit spürbarer Restsüße. Trinkbar und harmlos. Hier stammt das schlechte Image her.
Der trockene Gutswein. Sechs bis zehn Euro. Sauber gemacht und ohne Restzucker. Ein ehrlicher Vesperwein. Leicht gekühlt macht der richtig Freude.
Die Alten Reben. Zwölf bis zwanzig Euro. Hier wird es spannend. Alte Stöcke bringen von Natur aus weniger Ertrag. Der Wein bekommt Konzentration ohne schwer zu werden.
Der puristische Ausbau. Ab fünfzehn Euro. Einzelne Winzer bauen Trollinger spontanvergoren und unfiltriert aus. Das Ergebnis polarisiert stark.
Ein Beispiel dafür ist der Trollinger Sine vom Weingut Aldinger. Ehrlich gesagt war der nicht mein Geschmack. Er ist sehr eigenwillig und sehr herb. Es gibt aber Leute die ihn für den besten Trollinger im Ländle halten. Das muss man akzeptieren. Deutlich besser gefallen mir die Alten Reben vom Weingut Schnaitmann. Da stimmt für mich die Balance zwischen Frucht und Kante.
Trollinger im Anbau
Der Trollinger ist eine anspruchsvolle Rebsorte. Das überrascht viele Leute weil der Wein so einfach schmeckt. Er reift spät. Noch nach dem Riesling. Deshalb braucht er sehr gute Lagen mit viel Wärme. Und er braucht Schutz vor Frost. Ein früher Herbstfrost kann eine ganze Ernte kosten.
Dazu kommt der starke Wuchs. Die Rebe bildet mehr Triebe aus als sie versorgen kann. Ohne konsequenten Rückschnitt liefert sie Masse statt Klasse. Das kostet Arbeitszeit. Genau hier liegt die Falle. Die Sorte kann sehr hohe Erträge bringen. Über Jahrzehnte hat man das genutzt. Das Ergebnis war viel dünner Wein zu niedrigen Preisen. Und ein Image das die Rebsorte bis heute nicht loswird.
Böden und Lagen in Württemberg
Der Trollinger mag warme Böden. Keuper und Muschelkalk sind ideal. Beides gibt es in Württemberg reichlich. Fast die gesamte deutsche Fläche liegt in diesem einen Anbaugebiet. Außerhalb Württembergs stehen nur wenige Dutzend Hektar. Ein kleiner Rest findet sich im badischen Kraichgau.
Im Remstal steht Trollinger häufig in den Terrassen und Steillagen. Das sind genau die Lagen die am meisten Handarbeit brauchen. Und genau die Lagen die jetzt als erstes aufgegeben werden. Mehr zu den einzelnen Orten und Weingütern findest du in meinem Artikel Wein aus dem Remstal.
Warum der Trollinger gerade verschwindet
Das ist der Abschnitt der mich am meisten beschäftigt. Denn hier geht es nicht nur um Wein. Hier geht es um Landschaft. Der Rückgang hat mehrere Gründe die alle gleichzeitig wirken.
Das Image. Trollinger gilt als Wein der Großelterngeneration. Jüngere Trinker greifen zu anderen Sorten. Der klassische halbtrockene Trollinger Lemberger Verschnitt findet kaum noch Käufer.
Die Kosten. Steillagen und Terrassen lassen sich nicht maschinell bearbeiten. Die Arbeitsstunde kostet aber Geld. Bei einem Wein der fünf Euro bringt geht die Rechnung nicht auf.
Die Überalterung. Im Jahr 2020 lag das Durchschnittsalter der Trollingeranlagen in Württemberg bei 27,8 Jahren. Im Jahr 2000 waren es noch 18,3 Jahre. Das heißt es wird kaum noch neu gepflanzt.
Der sinkende Alkoholkonsum. Die Menschen in Deutschland trinken insgesamt weniger Wein. Das trifft Massensorten härter als Nischenweine.
Wenn eine Anlage gerodet wird passiert eines von zwei Dingen. Entweder pflanzt der Betrieb eine andere Rebsorte. Oder die Fläche fällt komplett brach. Gerade in den Steillagen ist das Zweite häufig der Fall.
Seit 2021 gibt es die Trollinger Initiative. Getragen wird sie unter anderem von der Staatlichen Lehr und Versuchsanstalt in Weinsberg. Ziel ist es der Rebsorte eine neue Perspektive zu geben. Ein Ansatz sind sogenannte S Klone mit aufrechtem Wuchs und kleineren Trauben. Damit sinkt der Ertrag und die Qualität steigt.
Ob das reicht weiß ich nicht. Ich hoffe es. Denn wenn der Trollinger verschwindet dann verschwinden mit ihm die Weinlagen. Und damit ein Stück Landschaft das ich seit Jahrzehnten fotografiere.
Trollinger richtig genießen
Beim Trollinger machen die meisten Leute denselben Fehler. Sie behandeln ihn wie einen normalen Rotwein. Das geht schief.
Trinktemperatur
Trollinger gehört gekühlt ins Glas. Zwölf bis vierzehn Grad sind ideal. Das ist deutlich kälter als bei jedem anderen Rotwein aus der Region. Bei achtzehn Grad wirkt ein Trollinger dünn und säuerlich. Bei dreizehn Grad wirkt derselbe Wein frisch und saftig. Der Unterschied ist verblüffend. Mein Tipp im Sommer. Zwanzig Minuten in den Kühlschrank vor dem Öffnen. Nicht länger. Sonst wird er zu kalt und die Frucht verschwindet.
Das richtige Glas
Nimm kein großes Bordeauxglas. Das ist zu viel Raum für so wenig Wein. Ein mittelgroßes Universalglas oder ein Chardonnay-glas mit schmalerem Kelch passt besser. Und ja. Das schwäbische Viertelesglas funktioniert auch. Es ist nur nicht für die Aromatik gemacht. Mehr zum Thema findest du in meinen Genusstipps über Wein.
Karaffieren und Lagerfähigkeit
Karaffieren brauchst du bei den meisten Trollingern nicht. Der Wein hat wenig Gerbstoff und braucht kaum Luft. Bei puristisch ausgebauten Weinen kann eine halbe Stunde trotzdem helfen. Bei der Lagerung solltest du ehrlich sein. Trollinger ist kein Lagerwein.
| Qualitätsstufe | Trinkreife | Maximale Lagerung |
|---|---|---|
| Literwein | sofort | 1 bis 2 Jahre |
| Gutswein trocken | sofort | 3 Jahre |
| Alte Reben | sofort bis 2 Jahre | 5 bis 7 Jahre |
| Puristisch ausgebaut | 1 bis 3 Jahre | 8 Jahre |
Der Reiz dieser Rebsorte liegt in der Frische. Wer sie zehn Jahre lagert verliert genau das was den Wein ausmacht.
Food Pairing – was passt zu Trollinger
Der Trollinger ist der vielleicht beste Vesperwein Deutschlands. Seine Säure und sein leichter Körper passen zu Dingen bei denen ein schwerer Rotwein alles erschlagen würde.
Schwäbischer Wurstsalat. Der Klassiker. Die Säure im Wein und die Säure im Dressing gehen zusammen. Der Wein hat genug Frucht um den Käse abzufangen.
Vesperbrett mit Schinken und Landbrot. Genau dafür wurde diese Rebsorte über Jahrhunderte getrunken. Es funktioniert bis heute.
Maultaschen geschmelzt. Leicht gekühlter Trollinger und Maultaschen sind eine gute Kombination. Bei Maultaschen in der Brühe würde ich zum Weißwein greifen.
Flammkuchen und Zwiebelkuchen. Im Herbst zum neuen Wein fast Pflicht.
Gegrillte Bratwurst. Die Röstaromen und die helle Frucht ergänzen sich. Wichtig ist die Kühlung.
Kräftiger Fisch wie Lachs oder Thunfisch. Klingt ungewöhnlich. Funktioniert aber sehr gut weil das Tannin fehlt. Ein Lemberger würde hier scheitern.
Ziegenkäse und junger Bergkäse. Der Wein ist leicht genug um den Käse nicht zu erdrücken.
Was nicht passt sind schwere Schmorgerichte. Dafür ist der Wein zu leicht. Da nimm besser einen Lemberger.
Trollinger oder Lemberger?
Beide Sorten kommen aus Württemberg. Beide sind rot. Und trotzdem sind sie so verschieden wie Bier und Wein.
| Merkmal | Trollinger | Lemberger |
|---|---|---|
| Farbe | hellrot bis ziegelrot | dunkles Kirschrot |
| Frucht | Erdbeere Himbeere Veilchen | Brombeere Sauerkirsche Johannisbeere |
| Tannin | sehr niedrig | kräftig und griffig |
| Säure | sehr hoch bei 7 bis 10 g/l | deutlich spürbar bei rund 6 g/l |
| Alkohol | meist 11 bis 12 Prozent | meist 13 Prozent und mehr |
| Trinktemperatur | 12 bis 14 Grad | 16 bis 18 Grad |
| Lagerfähigkeit | gering | mittel bis hoch |
| Passt zu | Vesper Wurstsalat Flammkuchen | Braten Schmorgerichte reifer Käse |
| Preiseinstieg | sehr günstig | günstig bis mittel |
Meine Faustregel. Der Trollinger ist der Wein für den Nachmittag. Der Lemberger ist der Wein für den Abend.
Und noch ein Hinweis. Das klassische schwäbische Cuvée aus Trollinger und Lemberger ist der Wein der beiden Sorten am meisten geschadet hat. Es war fast immer halbtrocken und fast immer belanglos. Wenn du beide Sorten kennenlernen willst dann trink sie sortenrein.
Was ist Muskattrollinger?
Kurze Einordnung weil hier viel durcheinandergeht. Muskattrollinger ist nicht dasselbe wie Trollinger. Es ist eine eigene Rebsorte. Sie ist in Württemberg selten und wird meist zu Rosé oder zu sehr hellen Rotweinen verarbeitet. Im Glas erkennst du sie sofort am Muskatton. Der Wein duftet nach Muskattraube und nach Rosenblüte. Das ist deutlich blumiger als beim normalen Trollinger. Ich habe davon mehrere Jahrgänge vom Weingut Schnaitmann im Glas gehabt. Für mich sind das hervorragende Sommerweine. Leicht gekühlt und ohne Anspruch auf Tiefgang. Genau richtig für einen warmen Abend auf der Terrasse.
Zwei große Trollinger-Weine als Referenz
Das Trollinger auch ein Spitzenwein sein kann beweisen Aldinger und der Nusserhof. Hier die Eckdaten von den Weingütern:
Aldinger Untertürkheimer Gips Trollinger Rosé 2023
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Preis | 100,00 Euro ab Weingut |
| Alkohol | 13 Prozent |
| Restzucker | 1,3 g/l |
| Säure | 6,1 g/l |
| Ausbau | spontan vergoren und 15 Monate im Barrique |
| Trinktemperatur | 8 bis 10 Grad laut Weingut |
| Lagerfähigkeit | 6 bis 12 Jahre laut Weingut |
| Bewertungen | Falstaff 94,5 / Vinum 93 / Meininger 93 / Jancis Robinson 17,5+ |
Rund 100 Euro ab Weingut. Stand Juli 2026. Dieser Wein ist eine Provokation. Und zwar eine gelungene.
Die Lage Untertürkheimer Gips ist eine Monopollage von Aldinger. Das heißt niemand sonst hat Trauben aus dieser Lage. Dort stehen alte Trollingerreben auf Gipskeuper. Genau die Sorte von Weinberg die anderswo gerade gerodet wird.
Was dann passiert hat mit klassischer Trollingerbereitung nichts mehr zu tun. Die Trauben werden ohne Standzeit sofort abgepresst. Fast keine Farbe wandert in den Most. Streng genommen ist das kein Rosé sondern ein Blanc de Noirs. Danach geht der trübe Most direkt ins französische Barrique. Er vergärt spontan. Und dann liegt er fünfzehn Monate auf der Vollhefe.
Das ist das Rezept für einen großen weißen Burgunder. Nur eben mit der Rebsorte die im Ländle als Zechwein gilt. Im Glas ist er cremefarben mit einem Schimmer ins Altrosa. Die Nase startet reduktiv. Feuerstein. Rauch. Zerstoßener Kalk. Erst dahinter kommt Frucht mit weißem Pfirsich und einem Hauch Grapefruit. Dazu ein blumiger Ton von Pfingstrosen.
Am Gaumen ist er straff und salzig. Kein Schmeichler. Die Phenolik ist dicht und die Struktur wirkt kompakt. Falstaff nannte den Wein in der Blindprobe polarisierend. Das glaube ich sofort. Die Zahlen erklären warum. Dreizehn Prozent Alkohol. Nur 1,3 Gramm Restzucker. Und 6,1 Gramm Säure. Das Weingut empfiehlt acht bis zehn Grad und gibt sechs bis zwölf Jahre Lagerfähigkeit an. Sechs bis zwölf Jahre für einen Trollinger. Das muss man erst mal sacken lassen.
Die Kritiker sind trotzdem einig. Falstaff gab dem 2023er 94,5 Punkte und die Trollinger Trophy 2025. Vinum 93 Punkte. Meininger 93 Punkte. Jancis Robinson 17,5+.
Mein Fazit. Diese Flasche ist kein Genussmittel. Sie ist ein Beweisstück. Aldinger zeigt damit dass die Rebsorte nie das Problem war. Das Problem war der hohe Ertrag und die kurze Ausbauzeit. Wer den Preis einmal ausgeben kann sollte es tun. Danach redest du über Trollinger anders.
Nusserhof Elda Vino da Tavola rosso 2019
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Preis | 32,50 Euro bei Pinard de Picard |
| Alkohol | 12 Prozent |
| Restzucker | 2,8 g/l |
| Säure | 5,0 g/l |
| Rebsorten | 85 Prozent Vernatsch im gemischten Satz |
| Ertrag | knapp 20 hl/ha |
| Ausbau | 30 Monate im 20 Hektoliter Holzfass plus 22 Monate Flasche |
| Auflage | 4000 Flaschen |
Rund 32,50 Euro bei Pinard de Picard. Stand Juli 2026.
Der Nusserhof liegt mitten in Bozen. Die Familie Mayr macht dort seit 1788 Wein. Bio zertifiziert seit 1994. Bewirtschaftet werden nur rund zweieinhalb Hektar. Eine Webseite gibt es bis heute nicht und eine Mailadresse auch nicht. Der Betrieb hat andere Prioritäten. Der Wein ist nach Elda Mayr benannt. Sie war die Frau von Heinrich Mayr und ist die Mutter der heutigen Weingutsleiterin Gloria.
Die Reben stehen fünf Kilometer außerhalb von Bozen. Extreme Steillage auf rotem Porphyr. Das Anbaugebiet heißt St. Magdalena. Die Stöcke sind über hundert Jahre alt und in Pergelerziehung gezogen. Also über Kopf. Mit dem Traktor kommt dort niemand hin. Alles läuft per Hand.
Und jetzt das Besondere. Der Weinberg ist ein gemischter Satz aus alter Zeit. Rund 85 Prozent sind verschiedene alte Vernatschsorten. Der Rest sind andere Reben. Vermutlich etwas Lagrein und Teroldego. Aber auch weiße Sorten stehen mitten drin. Welche genau weiß die Familie selbst nicht. Alles wird zusammen gelesen und zusammen vergoren. Genau deshalb steht auf dem Etikett nur Vino da Tavola. Für eine DOC passt dieser Weinberg in keine Regel. Der einfachste Name auf dem Etikett steht hier für den kompliziertesten Wein.
Der Ertrag liegt bei knapp zwanzig Hektoliter pro Hektar. Ein normaler Trollinger bringt bis zu hundert. Vergoren wird spontan im Edelstahl. Danach reift der Wein dreißig Monate im großen Holzfass mit zwanzig Hektoliter Inhalt. Nach der Abfüllung liegt er weitere zweiundzwanzig Monate im Keller. Es gibt viertausend Flaschen.
Im Glas leuchtet er kirschrot mit einem Hauch Ziegel am Rand. Die Nase ist komplex und alles andere als lieblich. Sauerkirsche. Schlehe. Getrocknete Kirschen samt Kernen. Dahinter Graphit und ein Ton der an Rost erinnert. Dazu feuchtes Herbstlaub und Unterholz.
Am Gaumen ist er saftig und herb zugleich. Die Tannine sind fein geschliffen und griffig. Es schmeckt nach Kirsche etwas Cassis Kräutern und Bresaola. Trotz der erdigen Töne wirkt der Wein leicht und elegant.
Auffällig ist die Säure. Nur 5,0 Gramm pro Liter. Für Vernatsch ist das niedrig. Genau deshalb wirkt dieser Wein so ruhig und so ernst. Zwölf Prozent Alkohol. 2,8 Gramm Restzucker.
Mein Fazit. Der Elda schmeckt nicht nach Trollinger. Er erinnert an einen kühlen Pinot Noir aus den Hautes Côtes de Beaune oder an einen jungen Nebbiolo aus höherer Lage. Karaffieren lohnt sich sehr. Trinkreif ist er jetzt und bleibt es noch einige Jahre. Für dreiunddreißig Euro bekommst du hundertjährige Reben aus einer Handarbeitslage und über vier Jahre Reife vor dem Verkauf. Das ist ein ehrlicher Preis.
Meine Trollinger Verkostungen
Hier findest du meine Notizen sortiert nach Weingut. Die Liste ist deutlich kürzer als beim Lemberger. Das hat einen einfachen Grund. Ich habe in den letzten Jahren schlicht mehr Lemberger genossen.
Weingut Schnaitmann – Fellbach
Der Betrieb arbeitet biologisch zertifiziert und ist Mitglied im VDP. Die Trollinger sind trocken ausgebaut und ohne jede Gefälligkeit.

- Trollinger Alte Reben 2023
- Trollinger Alte Reben 2022
- Trollinger Alte Reben 2012
- Steinwiege Trollinger 2012
Weingut Aldinger – Fellbach
Das Weingut wurde 1492 gegründet und zählt zu den besten in Württemberg.
Wie oben geschrieben. Dieser Wein ist sehr puristisch und sehr herb. Er hat begeisterte Anhänger. Ich gehöre nicht dazu.
Weingut Escher – Schwaikheim
Die Bergkeuper Weine sind die Mittelklasse des Hauses und meist Lagenweine.

Alle Verkostungen findest du auch gesammelt in meiner Übersicht der Rotwein Verkostungen.
Häufige Fragen zum Trollinger
Wie schmeckt Trollinger? Trollinger schmeckt nach hellen roten Beeren wie Erdbeere und Himbeere. Oft kommt eine feine Veilchennote dazu. Der Wein hat sehr wenig Tannin und eine hohe Säure. Er ist leicht und frisch statt kräftig und schwer.
Ist Trollinger dasselbe wie Vernatsch? Ja. Es ist dieselbe Rebsorte. In Württemberg heißt sie Trollinger. In Südtirol Vernatsch oder Großvernatsch. Auf Italienisch Schiava Grossa. Als Tafeltraube ist sie weltweit als Black Hamburg bekannt.
Bei welcher Temperatur trinkt man Trollinger? Zwischen zwölf und vierzehn Grad. Damit ist er der am kältesten servierte Rotwein Württembergs. Zu warm serviert wirkt er dünn und säuerlich. Gekühlt wirkt derselbe Wein saftig und frisch.
Ist Trollinger trocken oder süß? Beides gibt es. Traditionell wurde viel Trollinger halbtrocken oder mit Restsüße ausgebaut um die hohe Säure abzupuffern. Qualitätsorientierte Weingüter bauen ihn heute meist trocken aus. Achte auf die Angabe auf dem Etikett.
Wie lange kann man Trollinger lagern? Nicht lange. Ein einfacher Trollinger sollte innerhalb von zwei Jahren getrunken werden. Ein Alte Reben Wein hält fünf bis sieben Jahre. Der Reiz der Sorte liegt in der Frische und nicht in der Reife.
Was passt zu Trollinger beim Essen? Am besten deftige und einfache Gerichte. Wurstsalat Vesperbrett Flammkuchen geschmelzte Maultaschen und Bratwurst. Auch kräftiger Fisch funktioniert weil das Tannin fehlt. Schwere Schmorgerichte passen nicht.
Warum geht die Trollingerfläche zurück? Es kommen mehrere Gründe zusammen. Ein angestaubtes Image bei jüngeren Trinkern. Hohe Arbeitskosten in Steil und Terrassenlagen. Stark überalterte Rebanlagen. Und ein insgesamt sinkender Weinkonsum in Deutschland.
Was ist der Unterschied zwischen Trollinger und Muskattrollinger? Das sind zwei verschiedene Rebsorten. Der Muskattrollinger duftet deutlich nach Muskat und Rosenblüte. Er wird meist zu Rosé oder sehr hellen Rotweinen verarbeitet und ist in Württemberg selten.
Fazit
Der Trollinger ist keine große Rebsorte. Das war er nie und das wird er auch nicht mehr werden. Er ist aber ein eigenständiger Weintyp mit einer klaren Aufgabe. Sein Problem ist nicht der Geschmack. Sein Problem ist die falsche Erwartung. Wer einen kräftigen Rotwein sucht wird ihn immer enttäuschend finden. Wer einen leichten und säurefrischen Speisebegleiter sucht findet in ihm einen alten Bekannten.
Was mich beschäftigt ist die Landschaft. Der Trollinger steht dort wo die Arbeit am schwersten ist. In den Terrassen und in den Steillagen. Wenn diese Flächen aufgegeben werden dann verschwindet nicht nur eine Rebsorte. Dann verschwindet das Bild das Württemberg seit Jahrhunderten prägt.
Mein Vorschlag an dich. Kauf dir einmal einen trocken ausgebauten Trollinger von einem guten Weingut. Nicht den für vier Euro aus dem Supermarkt. Stell ihn zwanzig Minuten in den Kühlschrank. Mach dir ein Vesper dazu. Und dann urteile noch einmal neu.
Vielleicht bleibt es beim alten Urteil. Vielleicht auch nicht. Bei mir hat es geklappt.
Prost.