Wenn du in Württemberg aufwächst dann lernst du früh zwei Dinge. Der Trollinger ist der Wein für den Durst. Und alles andere ist zu teuer. So dachte ich jedenfalls mit zwanzig. Der Lemberger kam damals in meinem Kopf gar nicht vor. Er stand einfach im Regal und wartete geduldig darauf dass ich erwachsen werde.
Das hat dann eine Weile gedauert. Heute ist Lemberger die Rebsorte über die ich in meinem Weinkeller am häufigsten stolpere. Und ich bin damit nicht allein. Seit dem Jahr 2025 wächst in Württemberg mehr Lemberger als Trollinger. Das ist eine kleine Revolution im Ländle.
In diesem Artikel bekommst du alles zur Rebsorte Lemberger. Wie er schmeckt. Wo er wächst. Warum er in Österreich anders heißt. Welche Speisen dazu passen. Und ganz unten findest du über zwanzig Verkostungen aus meinem eigenen Glas. Das sind keine abgeschriebenen Datenblätter. Das ist was ich in den letzten zwanzig Jahren tatsächlich getrunken habe.

Inhaltsverzeichnis
Was ist Lemberger?
Lemberger ist eine rote Rebsorte. Sie ergibt tiefdunkle Rotweine mit spürbarem Tannin und einer frischen Säure. Typisch sind Aromen von Brombeere Sauerkirsche und Johannisbeere. Dazu kommen oft würzige Noten wie Pfeffer Kräuter oder Rauch.
Die Rebsorte ist eine natürliche Kreuzung. Ein Elternteil ist der Weiße Heunisch. Der zweite Elternteil ist die blaue Zimmettraube. Verwandt ist der Lemberger unter anderem mit dem Zweigelt. Der wurde nämlich aus Blaufränkisch und St. Laurent gezüchtet.
Was ihn von anderen deutschen Rotweinen unterscheidet ist die Struktur. Ein Spätburgunder wirkt seidig und rund. Ein Lemberger hat Kanten. Er hat Griff. Er schiebt dich beim Trinken nach vorne statt dich einzuwickeln. Genau das mögen die einen und genau das stört die anderen.
Lemberger Blaufränkisch und Kékfrankos
Hier wird es kurz verwirrend. Lemberger Blaufränkisch und Kékfrankos sind ein und dieselbe Rebsorte. Nur die Sprache ist anders.
| Land | Name | Ungefähre Fläche |
|---|---|---|
| Deutschland | Lemberger | rund 1.800 Hektar |
| Österreich | Blaufränkisch | rund 2.500 bis 3.000 Hektar |
| Ungarn | Kékfrankos | mehrere tausend Hektar |
| Norditalien | Franconia | kleine Fläche |
Die Zahlen schwanken je nach Quelle und Erhebungsjahr. Die Größenordnung stimmt aber. Österreich hat die größte Fläche in Westeuropa. Ungarn ist mengenmäßig ebenfalls stark.
In Deutschland darf ein Winzer seinen Lemberger übrigens auch Blaufränkisch nennen. Beide Bezeichnungen sind zugelassen. Manche Weingüter nutzen das bewusst. Sie wollen damit den kühleren und feineren Stil signalisieren. Das Weingut Aldinger in Fellbach macht das zum Beispiel bei einem seiner Lagenweine.
Wenn dir also ein Blaufränkisch aus Württemberg begegnet dann ist das kein Import. Das ist ein Lemberger mit einem anderen Namen.
Herkunft und Geschichte
Die genaue Heimat der Sorte ist nicht geklärt. Vieles deutet auf den Raum zwischen Niederösterreich und der heutigen Untersteiermark. Der Name Lemberger stammt vermutlich von einem Ort namens Limberg. Von dort kamen die ersten Rebstöcke nach Deutschland.
Nach Württemberg kam die Sorte im 19. Jahrhundert. Als Jahreszahl wird oft 1866 genannt. Dann passierte erst einmal sehr lange gar nichts. Im Jahr 1964 standen in Württemberg gerade einmal rund 350 Hektar Lemberger. In den achtziger Jahren waren es vierhundert bis fünfhundert Hektar. Mitte der neunziger Jahre knackte die Sorte die Marke von tausend Hektar. Heute liegt sie bei über 1.600 Hektar. Über hundert Jahre Dornröschenschlaf und dann drei Jahrzehnte Aufholjagd. Für eine Rebsorte ist das ein ziemlich später Karrierestart.
Wie schmeckt Lemberger?
Das ist die Frage die mir am häufigsten gestellt wird. Meine Kurzantwort lautet so. Lemberger schmeckt nach dunklen Beeren mit einer kühlen Kante. Jetzt die lange Antwort.
Typische Aromen
Im Glas riechst du fast immer zuerst dunkle Frucht. Brombeere steht meistens vorne. Dahinter kommen Sauerkirsche und rote Johannisbeere. Bei reifen Jahrgängen wird daraus eingekochtes Beerenkompott. Die zweite Ebene ist würzig. Hier findest du je nach Ausbau Thymian Unterholz schwarzen Pfeffer oder feinen Rauch.
Die dritte Ebene kommt vom Fass. Altes Holz gibt fast nichts ab außer Luft und Zeit. Neues Barrique bringt Vanille Kokos und Röstaromen und Schwarztee. Ich mag beim Lemberger die zurückhaltende Variante deutlich lieber. Die Sorte hat genug eigene Persönlichkeit. Sie braucht keinen Holzmantel. Wobei große Gewächse mit dosierten Holzeinsatz und entsprechender Reife großartige Rotweine sein können.
Was du bei jungen Weinen manchmal findest sind grüne Noten. Grüne Paprika oder grüne Bohne. Das ist ein Zeichen für nicht ganz ausgereifte Trauben. Früher war das bei Lemberger ein Dauerthema. Heute ist es dank Klimawandel und besserer Arbeit im Weinberg selten geworden.
Säure und Tannin
Der Lemberger hat von Natur aus eine ordentliche Säure. Werte um 6 Gramm pro Liter sind auch in warmen Jahren keine Seltenheit. Das ist der Grund warum diese Weine so gut zum Essen passen. Die Säure schneidet durch Fett und durch Würze.
Das Tannin ist ebenfalls präsent. Die Beeren haben dicke Schalen. Daraus kommt viel Gerbstoff. Bei einem einfachen Gutswein merkst du das als leichtes Kratzen an den Zahnhälsen. Bei einem großen Lagenwein wird daraus ein dichtes und feinmaschiges Gerüst. Mehr zum Thema findest du in meinem Artikel über Tannine im Wein. Kurz gesagt sind Tannine der Grund warum ein Lemberger lange lagern kann.
Vom Vesperwein bis zum Großen Gewächs
Die Bandbreite bei dieser Rebsorte ist riesig. Das ist gleichzeitig ihr Segen und ihr Fluch.
Der Literwein. Fruchtig und einfach gebaut. Kostet drei bis sechs Euro. Passt zum Vesper unter der Woche. Hier gibt es leider auch viel Belangloses.
Der Gutswein. Sieben bis zwölf Euro. Sauber vinifiziert und rebsortentypisch. Bei guten Weingütern ist das bereits ein richtig ordentlicher Wein. Der Steinwiege Lemberger von Schnaitmann ist so ein Fall.
Der Ortswein. Zwölf bis zwanzig Euro. Hier wird es spannend. Die Trauben kommen aus einer Gemeinde. Die Erträge sind reduziert. Der Ausbau dauert länger. Mein aktueller Favorit in dieser Klasse ist der Beutelsbach Lemberger von Schnaitmann.
Der Lagenwein und das Große Gewächs. Ab fünfzehn Euro aufwärts. Die besten Parzellen. Oft zwei Jahre oder länger im Holz. Diese Weine brauchen Zeit. Sie können zwanzig Jahre alt werden.
Wer Lemberger nur aus der ersten Kategorie kennt der hat die Rebsorte nicht kennengelernt. Das ist ungefähr so als würdest du Riesling nach einer Literflasche vom Discounter beurteilen.
Lemberger im Anbau
Der Lemberger ist keine bequeme Rebsorte. Er treibt früh aus. Das macht ihn anfällig für Spätfröste im April. Und er reift sehr spät. Das heißt er braucht einen langen und warmen Herbst. Dazu kam lange ein weiteres Problem. Die Sorte neigt zur Verrieselung. Die Blüten fallen ab ohne Früchte anzusetzen. Das führte zu stark schwankenden Erträgen. Bessere Klone und moderne Anbaumethoden haben das Problem deutlich entschärft. Wegen dieser Ansprüche steht Lemberger fast nie in der Ebene. Er braucht mittlere bis höhere Hanglagen mit Südausrichtung. Und er braucht Schutz vor kaltem Wind.
Böden und Lagen in Württemberg
Über neunzig Prozent des deutschen Lembergers stehen in Württemberg. Die wichtigsten Böden sind Keuper Muschelkalk und Löss. Im Zabergäu nördlich von Heilbronn liegt eines der Herzstücke. Dort sorgen tiefgründige Böden für kräftige und füllige Weine.
Im Remstal ist das Bild anders. Das Tal ist eng. Die Nächte kühlen stärker ab. Die Böden bestehen häufig aus Gipskeuper Schilfsandstein und Buntem Mergel. Das Ergebnis sind schlankere und straffere Weine. Sie werden nicht fett. Sie werden gespannt. Genau diese kühle Handschrift ist der Grund warum Fachleute Remstäler Lemberger gern mit gutem Blaufränkisch aus dem Burgenland vergleichen. Ich finde den Vergleich zutreffend. Mehr zu den einzelnen Orten und Weingütern findest du in meinem Artikel Wein aus dem Remstal.
Lemberger und der Klimawandel
Das ist der Abschnitt den ich am spannendsten finde. Denn hier kann ich aus eigener Beobachtung schreiben. Als ich vor über zwanzig Jahren ins Remstal gezogen bin waren grüne Noten im Lemberger öfter zu schmeck. Die Trauben wurden in kühlen Jahren einfach nicht richtig reif. Es gab Jahrgänge in denen der Wein dünn und kantig blieb. Das hat sich verändert. Die Reife kommt heute fast jedes Jahr zuverlässig. Der späte Reifezeitpunkt ist vom Nachteil zum Vorteil geworden. Während frühreifende Sorten in heißen Jahren die Säure verlieren behält der Lemberger sie meistens.
Es gibt aber auch die andere Seite. Im Jahr 2022 fiel in Württemberg von Ende Mai bis Mitte August fast kein Regen. Die Beeren blieben klein. Trockenstress war überall ein Thema. Dass daraus trotzdem gute Weine wurden lag am Regen zum richtigen Zeitpunkt und an der Arbeit der Winzer. Und noch eine Beobachtung. Die Rebfläche geht aktuell zurück. Im Jahr 2025 verlor der Lemberger in Württemberg 3,8 Prozent seiner Fläche. Er liegt jetzt bei 1.661 Hektar. Der Trollinger verlor im selben Zeitraum 8,3 Prozent und liegt bei 1.614 Hektar. Damit ist der Lemberger erstmals die flächenstärkste rote Rebsorte in Württemberg. Nicht weil er gewachsen wäre. Sondern weil der Trollinger schneller schrumpft. So sieht ein Sieg im Ländle manchmal aus.
Lemberger richtig genießen
Ein guter Lemberger verzeiht dir einiges. Ein paar Dinge machen den Unterschied aber deutlich.
Trinktemperatur
Die meisten Weingüter empfehlen 16 bis 18 Grad. Ich bleibe fast immer am unteren Ende. Bei 16 Grad wirkt die Frische am besten. Die Frucht bleibt klar. Die Kräuternoten sind da. Bei 18 Grad und mehr tritt der Alkohol in den Vordergrund. Die feinen Noten verschwinden. Der Wein wirkt breit. Zimmertemperatur ist übrigens ein Missverständnis aus einer Zeit als Wohnzimmer noch achtzehn Grad hatten. Heute hat dein Wohnzimmer zweiundzwanzig Grad. Das ist zu warm.
Dekantieren oder karaffieren
Dekantieren brauchst du bei den meisten Lembergern nicht. Depot bildet sich erst bei sehr alten Flaschen. Karaffieren lohnt sich dagegen fast immer. Besonders bei unfiltrierten Weinen. Eine Stunde in der Karaffe öffnet den Wein spürbar. Wenn du keine Karaffe hast dann öffne die Flasche einfach eine Stunde vorher und schwenke fleißig im Glas. Bei jungen Lagenweinen kannst du auch zwei Stunden geben. Da passiert dann noch mehr.
Das richtige Glas
Nimm ein großes bauchiges Glas. Ein Bordeauxglas passt sehr gut. Der breite Kelch gibt der Frucht Platz. Mehr zum Thema findest du in meinen Genusstipps über Wein.
Lagerfähigkeit
Hier eine grobe Orientierung aus meiner Erfahrung.
| Qualitätsstufe | Trinkreife | Maximale Lagerung |
|---|---|---|
| Literwein | sofort | 2 bis 3 Jahre |
| Gutswein | sofort bis 2 Jahre | 5 Jahre |
| Ortswein | 1 bis 4 Jahre | 8 bis 10 Jahre |
| Lagenwein | 3 bis 8 Jahre | 15 Jahre |
| Großes Gewächs | 5 bis 12 Jahre | 20 Jahre und mehr |
Wichtig ist ein kühler Lagerplatz. Noch wichtiger ist wenig Temperaturschwankung. Ein konstanter Keller mit sechzehn Grad ist besser als ein schwankender mit zwölf. Ich nutze zur kontrollierten Lagerung und Reifung einen Weinklimaschrank.
Food Pairing – was passt zu Lemberger
Lemberger ist ein Speisewein. Säure und Tannin sind das Gegengewicht zu Fett und Würze. Solo im Sessel ist er nicht sein bestes Ich.
Zwiebelrostbraten. Der Klassiker im Ländle und für mich fast Pflicht. Die Röstaromen greifen die würzigen Noten im Wein auf. Die Säure schneidet durch die Zwiebelbutter.
Geschmorte Rinderbäckchen. Die weiche Textur vom Schmorfleisch braucht das Tannin als Gegenpol. Der lange Abgang begleitet die Sauce bis zum Schluss.
Maultaschen. In der Brühe passt eher ein Weißwein. Aber geschmelzt mit Zwiebeln in der Pfanne ist der Lemberger perfekt. Nimm dafür einen leichteren Gutswein und keinen wuchtigen Lagenwein.
Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle. Klingt bodenständig und ist es auch. Die erdige Note der Linsen und die Kräuterwürze im Wein passen erstaunlich gut zusammen.
Gebratene Pilze mit Thymian. Für alle ohne Fleisch. Pilze und Unterholz sind eine wunderbare Paarung. Der Thymian in der Pfanne und der Thymian im Glas geben sich die Hand.
Gereifter Bergkäse. Etwa achtzehn Monate alt. Die Salzkristalle machen die Frucht im Wein süßer. Ein junger Weichkäse wäre hier verloren.
Was nicht funktioniert sind sehr scharfe Gerichte. Schärfe und Tannin verstärken sich gegenseitig. Das Ergebnis ist unangenehm.
Lemberger oder Spätburgunder?
Diese Frage bekomme ich oft. Beide sind Rotweine. Beide wachsen in Württemberg. Und trotzdem sind es zwei völlig verschiedene Welten.
| Merkmal | Lemberger | Spätburgunder |
|---|---|---|
| Farbe | dunkles Kirschrot bis Schwarzrot | helles Rubinrot bis Ziegelrot |
| Frucht | Brombeere Sauerkirsche Johannisbeere | Himbeere Erdbeere Kirsche |
| Würze | Pfeffer Kräuter Rauch | Waldboden Pilz Rose |
| Tannin | kräftig und griffig | fein und seidig |
| Säure | deutlich spürbar | mittel |
| Körper | mittel bis kräftig | leicht bis mittel |
| Preiseinstieg | günstiger | teurer |
| Passt zu | Braten Schmorgerichte Käse | Geflügel Kalb Wild |
Meine persönliche Faustregel. Beim Spätburgunder zahlst du für Eleganz. Beim Lemberger bekommst du mehr Wein für dein Geld. In der Preisklasse zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Euro ist der Lemberger aus meiner Sicht das bessere Geschäft.
Meine Lemberger Verkostungen
Jetzt kommt der Teil für den du vermutlich hier bist. Über zwanzig Jahre lang habe ich Lemberger verkostet und meine Eindrücke aufgeschrieben. Sortiert nach Weingut.
Weingut Schnaitmann – Fellbach
Rainer Schnaitmann gilt als einer der Wegbereiter des modernen Württemberger Weins. Der Betrieb arbeitet biologisch zertifiziert und ist Mitglied im VDP. Die Weine sind kühl und schlank gebaut. Sie haben Struktur statt Marmelade.

- Beutelsbach Lemberger 2022
- Lemberger Steinwiege 2021
- Steinwiege Lemberger 2017
- Steinwiege Lemberger 2016
- Steinwiege Lemberger 2015
- Lemberger zwei Sterne 2008
- Lemberger zwei Sterne 2007
Weingut Aldinger – Fellbach
Das Weingut wurde 1492 gegründet. Es zählt seit gut zwei Jahrzehnten zu den besten in Württemberg. Selbst die Basisweine liegen auf erstaunlich hohem Niveau.

- Nashorn Lemberger 2023
- Nashorn Lemberger Gutswein 2019
- Hanweiler Berg Blaufränkisch 2016 Erste Lage
- Hanweiler Berg Lemberger 2015
- Hanweiler Berg Lemberger 2014
Der Hanweiler Berg Lemberger aus der Ersten Lage ist einer meiner Lieblingsweine aus dem Remstal. Sehr filigran und komplex.
Weingut Heid – Fellbach
Seit 1699 ist die Familie im Weinbau tätig. Bio zertifiziert und im VDP.

Weingut Sterneisen – Remshalden
Ein junges Weingut aus dem Jahr 2017. Sehr bodenständig gemacht mit gutem Preis Leistung Verhältnis.

Weingut Escher – Schwaikheim
Die Goldreserve Weine sind die Spitze des Hauses. Filigrane Rotweine mit dosiertem Holzeinsatz.
Weingut Klopfer – Weinstadt Großheppach
Seit rund fünfhundert Jahren im Familienbesitz. Vom Eichelmann mit vier Sternen ausgezeichnet.
Weingut Knauß – Weinstadt Strümpfelbach
Weingut Mödinger – Weinstadt Strümpfelbach
Ein kleines Weingut mit nur drei Hektar. Alle Trauben werden von Hand gelesen.
Weingut Jürgen Ellwanger – Winterbach
Seit 1514 betreibt die Familie Weinbau. Mitglied im VDP und in der Studiengruppe Hades.
Weingut Bernhard Ellwanger – Weinstadt Großheppach
Alle Verkostungen findest du auch gesammelt in meiner Übersicht der Rotwein Verkostungen.
Häufige Fragen zum Lemberger
Wie schmeckt Lemberger? Lemberger schmeckt nach dunklen Beeren wie Brombeere und Sauerkirsche. Dazu kommen würzige Noten von Pfeffer Kräutern oder Rauch. Er hat ein spürbares Tannin und eine frische Säure. Anders als ein Spätburgunder wirkt er kantig und straff statt seidig und weich.
Ist Lemberger dasselbe wie Blaufränkisch? Ja. Es ist dieselbe Rebsorte. In Deutschland heißt sie Lemberger. In Österreich Blaufränkisch. In Ungarn Kékfrankos. In Deutschland sind beide Bezeichnungen auf dem Etikett zugelassen.
Bei welcher Temperatur trinkt man Lemberger? Zwischen 16 und 18 Grad. Ich empfehle das untere Ende. Bei 16 Grad wirkt die Frische am besten. Zu warm serviert tritt der Alkohol in den Vordergrund und die feine Würze verschwindet.
Wie lange kann man Lemberger lagern? Das hängt von der Qualitätsstufe ab. Ein Gutswein hält drei bis fünf Jahre. Ein Ortswein acht bis zehn Jahre. Ein Großes Gewächs kann zwanzig Jahre und mehr überstehen. Wichtig ist ein kühler Lagerplatz mit möglichst wenig Temperaturschwankung.
Was passt zu Lemberger beim Essen? Sehr gut passen Zwiebelrostbraten geschmorte Rinderbäckchen und gereifter Bergkäse. Vegetarisch funktionieren gebratene Pilze mit Thymian. Sehr scharfe Gerichte solltest du meiden. Schärfe und Tannin verstärken sich gegenseitig.
Ist Lemberger trocken oder süß? Der allergrößte Teil wird trocken ausgebaut. Restzuckerwerte um zwei bis drei Gramm pro Liter sind typisch. Halbtrockene Varianten gibt es vor allem im einfachen Segment.
Wo wird Lemberger in Deutschland angebaut? Fast ausschließlich in Württemberg. Dort standen im Jahr 2025 rund 1.661 Hektar. In allen anderen deutschen Anbaugebieten zusammen sind es nur wenige hundert Hektar.
Was kostet ein guter Lemberger? Ein solider Gutswein liegt bei sieben bis zwölf Euro. Ein sehr guter Ortswein bei zwölf bis zwanzig Euro. Für ein Großes Gewächs zahlst du ab dreißig Euro aufwärts. Der beste Kompromiss aus Preis und Genuss liegt für mich beim Ortswein. Bei den ersten Gewächsen bekommt man oft schon sehr gute Wein-Qualitäten. Die grossen Gewächse brauchen Zeit zum Reifen und sind für besondere Anlässe Top-Rotweine.
Fazit
Der Lemberger ist die spannendste Rotweinsorte die Deutschland zu bieten hat. Er kann einfach und süffig. Er kann aber auch groß und langlebig. Diese Bandbreite hat sonst kaum eine deutsche Rebsorte. Lange war er im eigenen Land unterschätzt. Außerhalb Württembergs kannte ihn kaum jemand. Das ändert sich gerade. Immer mehr Weingüter setzen auf ihn. Und die Qualitäten der letzten Jahrgänge sind beeindruckend.
Was ich dir mitgeben möchte ist das hier. Beurteile diese Rebsorte nicht nach einem Literwein aus dem Supermarkt. Kauf dir einmal einen Ortswein von einem guten Weingut. Gib ihm eine Stunde Luft. Serviere ihn bei 16 Grad. Und mach dir einen Zwiebelrostbraten dazu. Wenn dir das nicht schmeckt dann ist Lemberger nicht deine Sorte. Das ist auch völlig in Ordnung. Aber wenn es dir schmeckt dann hast du gerade eine Rebsorte entdeckt die dich viele Jahre begleiten wird.
Prost.